Die Zeichnungen und Skizzen von Wilhelm Thiermann sind Zeugen einer steten Schaulust und eines vorurteilsfreien Interesses an den Menschen um ihn herum. Thiermann zeichnete seine Kinder, Fußgänger, Menschen in Kneipen und Kaffeehäusern, Straßenszenen in Uelzen und, in den Ferien, in Salzburg oder Paris. Während seiner Arbeit als Anwalt im Gerichtssaal oder beim Besuch im Zirkus, immer hatte er ein Skizzenbuch und einen Bleistift zur Hand. Sogar in der Kirche, beim Schuhe kaufen und in der Warteschlange vor dem Kino zeichnete er.
Diese Momentaufnahmen des Uelzener Alltags bewahren das Bild Uelzens im 20. Jahrhundert; ähnlich wie die Aufzeichnungen Tile Hagemanns uns ein schriftliches Zeugnis Uelzens im 16. Jahrhundert hinterlassen haben. Die Redaktion des „Heimatkalender für Stadt und Kreis Uelzen“ hat Thiermanns Bedeutung als Zeitzeuge früh erkannt und seit der ersten Ausgabe 1927 über 200 seiner Zeichnungen veröffentlicht.
Wilhelm Thiermann nutzte viele künstlerischen Techniken für seine Werke. Seine Holz- und Linoldrucke, Tuschezeichnungen und Ölbilder sind oft recht dunkel im Vergleich zu der Leichtigkeit seiner Aquarelle und seiner Zeichnungen.
Thiermann blieb sich treu in der zeichnerischen Wiedergabe seiner Umgebung. Im Gegensatz zu vielen Künstlern des 20. Jahrhunderts hatte er kein Interesse an Abstraktion und der Entwicklung neuer Kunstformen. Er hinterlässt uns eine Fülle an Strichen. Striche, die sich zu Charakterstudien, Porträts und Landschaften verdichten – Ausdruck seiner persönlichen Haltung, Konturen seiner subjektiven Sichtweise.

Das Uelzen Museum hat es sich zum Ziele gesetzt, all die in Privathäusern schlummernden Zeichnungen und Bilder Wilhelm Thiermanns, in einem Online-Portal für alle sichtbar zu vereinen und hier zugänglich zu machen. Mit diesem Projekt wollen wir eine gemeinsame Sammlung schaffen und das Andenken an den Zeitzeugen Wilhelm Thiermann im kollektiven Gedächtnis unserer Stadt bewahren.